Autor Thema: Cache im NSG - offiziell beantragt und abgelehnt  (Gelesen 4341 mal)

Offline AlfredSK

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Cache im NSG - offiziell beantragt und abgelehnt
« am: 07. Juni 2013, 01:08:12 »
Ein Bericht über meine Bemühungen einen regelkonformen Cache in einem NSG zu legen:

Vor zwei Wochen habe ich einen offiziellen Antrag bei der zuständigen oberen Naturschutzbehörde eingereicht, weil ich in den halleschen Lunzbergen einen Multi legen wollte. Mit dem Antrag habe ich mir große Mühe gegeben. Ich habe Karten mit der genauen Wegführung beigefügt und eine exakte Beschreibung der Stationen geliefert. Außerdem habe ich ausführlich meine Bemühungen um eine naturverträgliche Gestaltung geschildert.

Leider wurde der Antrag trotzdem abgelehnt. Begründet wird dies mit dem Veränderungsverbot, welches im Bundesnaturschutzgesetz und in der entsprechenden Verordnung zum NSG "Lunzberge" festgelegt ist. Sinngemäß heißt es in der Antwort der Behörde, dass bereits das Auslegen eines Caches eine solche Veränderung darstellt. Außerdem würde die zu erwartende Suchtätigkeit der Geocacher zu weiteren Veränderungen führen. Ausnahmsweise zustimmen könnte man nur dann, wenn entweder ein breites, öffentliches (einschl. wirtschaftl.) Interesse vorläge oder eine Ablehnung zu unzumutbaren  Belastungen führe.

Im Übrigen wird erwähnt, dass bereits das Verstecken direkt am Weg nicht genehmigungsfähig ist, weil man dazu die natürlichen Strukturen am Wegesrand nutzen müsste und dies würde ebenfalls dem Veränderungsverbot zuwider laufen.

Wenn man dieser Argumentation folgt, sind Caches in Naturschutzgebieten komplett unmöglich. Abgesehen davon, dass ich das akzeptieren und meinen Antrag zurückziehen werde, frage ich mich, wieso es trotzdem so viele Geocaches in ausgewiesenen NSGs gibt?

VG AlfredSK

Offline mic@

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Re: Cache im NSG - offiziell beantragt und abgelehnt
« Antwort #1 am: 07. Juni 2013, 05:16:19 »
Zitat von: AlfredSK
Im Übrigen wird erwähnt, dass bereits das Verstecken direkt am Weg nicht genehmigungsfähig ist, weil man dazu die natürlichen Strukturen am Wegesrand nutzen müsste und dies würde ebenfalls dem Veränderungsverbot zuwider laufen.

Ist eine Bank, die ja direkt am Weg liegt, eine natürliche Struktur?
Oder ein Schild, welches am Wegrand aufgestellt ist?
Also ich würde nicht so schnell aufgeben, notfalls machst Du eben einen Virtual draus, z.B. einen Earthcache.

Schrottie

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Re: Cache im NSG - offiziell beantragt und abgelehnt
« Antwort #2 am: 07. Juni 2013, 08:32:19 »
Solange man nur Abzählstationen nutzt, dürfte es ebenfalls keine Probleme geben, denn die verändern nichts und rufen auch keine wesentliche Suchtätigkeit hervor.

Offline dl6hbo

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Re: Cache im NSG - offiziell beantragt und abgelehnt
« Antwort #3 am: 07. Juni 2013, 10:20:22 »
Wenn man dieser Argumentation folgt, sind Caches in Naturschutzgebieten komplett unmöglich. Abgesehen davon, dass ich das akzeptieren und meinen Antrag zurückziehen werde, frage ich mich, wieso es trotzdem so viele Geocaches in ausgewiesenen NSGs gibt?

Darauf ist die Antwort ganz einfach: Weil man nicht erst gefragt hat.  >:(
Gruß, Rainer ( dl6hbo )
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Offline Steingesicht

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Re: Cache im NSG - offiziell beantragt und abgelehnt
« Antwort #4 am: 07. Juni 2013, 10:57:54 »
Wenn man dieser Argumentation folgt, sind Caches in Naturschutzgebieten komplett unmöglich.
Dann bleiben nur noch Frage-Antwort-Stationen* zu vorhandenen Objekten oder Foto-Rallye mit Dose ausserhalb des NSG.

* mit ein wenig Kreativität finden sich auch mehr Möglichkeiten als nur Abzählstationen

following

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Re: Cache im NSG - offiziell beantragt und abgelehnt
« Antwort #5 am: 07. Juni 2013, 11:49:52 »
Wenn man dieser Argumentation folgt, sind Caches in Naturschutzgebieten komplett unmöglich.

... in Sachen-Anhalt.

Das Argument, dass auch im Umfeld des Caches gesucht wird, kann ich leider nachvollziehen; GC-Caches können dort wegen des hohen Besucheransturms echten Schaden anrichten. Bei einem OConly könnte man vielleicht mit der Verhältnismäßigkeit argumentieren - als Multi im Grünen wird der nur wenige Besucher pro Jahr haben. Zudem kann man damit gezielt für den Naturschutz sensibilisieren, indem man im Cachelisting über Naturschutzgebiete aufklärt.

Der Naturkonservativismus in Deutschland nimmt mancherorts grotestke Formen an. Hier in Mainz gibt es ein NSG

das von Naturschützern laufend gepflegt wird - d.h. die trampeln dort regelmäßig durch und entfernen Pfanzen, die es dort früher nicht gab und die sich unverschämterweise eingenistet haben. Die sägen sogar junge Bäume ab, weil es hier früher keine Kiefern gab, also sind die hier falsch. Aber wehe, jemand wollte dort nen Geocache direkt am Weg legen ...  >:(

Vor 100 Jahren war das Areal übrigens eine Wüste - alles was dort heute wächst, wurde eingetragen und gedeiht nur durch die vom Menschen verursachte Schadstoffbelastung der Luft (-> Luftdüngung). Es wird unterschieden zwischen den guten alten Schadstoffen, die den Status Quo hervorgerufen haben, und den bösen neuen Schadstoffen, die den Status Quo bedrohen. Geocaches sind auch neu, die wuchsen hier vor 20 Jahren noch nicht ;)
« Letzte Änderung: 07. Juni 2013, 11:59:50 von following »

Offline mic@

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Re: Cache im NSG - offiziell beantragt und abgelehnt
« Antwort #6 am: 07. Juni 2013, 13:00:38 »
Zitat von: following
Geocaches sind auch neu, die wuchsen hier vor 20 Jahren noch nicht ;)

Mag sein, aber in diesem NSG dafür schon vor mehr als 100 Jahren:
http://de.wikipedia.org/wiki/Letterboxing

Offline Jörg

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Re: Cache im NSG - offiziell beantragt und abgelehnt
« Antwort #7 am: 07. Juni 2013, 13:31:10 »
Ich bin am 19.6. zu einem Runden Tisch des HMUELV(*) zum Thema (grob)"Freizeitsportarten im Wald" eingeladen worden, den die hess. Umweltministerin Puttrich (http://de.wikipedia.org/wiki/Lucia_Puttrich) leitet. Initiiert hat meine Hinzueinladung der hess. Waldbesitzerverband, weil er meint, ich sei da als ein Experte eine Bereicherung in der Runde der ganzen Verbandvertreter  8) (nunja, *geschmeicheltfühl*)

Es soll da ganz konkret um Beispiele (gute, sowie schlechte) aus Radsport, Downhill, Reiten, Wandern, Pflanzensammeln, Geocaching etc. - Betretensrecht - gehen.

Da nehme ich gern ein paar konkrete Beispiele hier aus dem Thread bzw. Forum mit hin.   ;)


(*):
Hessisches Ministerium für Umwelt, Energie,
Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Referat VI 1 A
"Oberste Forstbehörde, Angelegenheiten des nichtstaatlichen Waldbesitzes"
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Offline AlfredSK

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Re: Cache im NSG - offiziell beantragt und abgelehnt
« Antwort #8 am: 07. Juni 2013, 18:12:13 »
Sorry, hatte heute leider keine Zeit zu antworten. Flut, Arbeit, OC-onlys veröffentlichen, ... :)

Meine Intention war, einen Multi zu legen, welcher sich besonders an Familien mit kleinen Kindern richtet und ihnen das relativ unbekannte Stück Natur zu zeigen. Deshalb sollte es an den Stationen kleine Spielchen geben (Bilderrätsel, Puzzle, Fühlspiel, ...). Stationen mit Ablesen sind in einem Gebiet, welches hauptsächlich aus Trocken- und Feuchtwiesen mit etwas Gebüsch besteht schwierig und für Kinder eher langweilig. Schilder o.ä. gibt es dort nicht und Grashalme zählen wäre eher suboptimal. :)
Ein Virtual wäre sicher möglich, aber für die Kleinen noch uninteressanter. Auf dem zentralen Aussichtspunkt mit Blick auf das Saaletal wäre aber ein schöner Platz dafür. Ich werde das in Erwägung ziehen.

Zu der Frage der natürlichen Strukturen: Zwei Stationen sollten an kaputten Betonelementen platziert werden. Die Behörde argumentiert hier aber, dass selbst solche Strukturen Tieren als Unterschlupf dienen könnten und die Dose diesen Unterschlupf blockiert. Dies stellt dann ebenso eine verbotene Veränderung dar.

Wie auch immer. Danke für eure Antworten. Bevor mein Antrag kostenpflichtig (!) abgelehnt wird, ziehe ich ihn lieber zurück und überlege mir etwas anderes.

VG AlfredSK

Offline NINNICKs

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Re: Cache im NSG - offiziell beantragt und abgelehnt
« Antwort #9 am: 08. Juni 2013, 13:43:34 »
Zitat von: AlfredSK
Im Übrigen wird erwähnt, dass bereits das Verstecken direkt am Weg nicht genehmigungsfähig ist, weil man dazu die natürlichen Strukturen am Wegesrand nutzen müsste und dies würde ebenfalls dem Veränderungsverbot zuwider laufen.

Ist eine Bank, die ja direkt am Weg liegt, eine natürliche Struktur?
Oder ein Schild, welches am Wegrand aufgestellt ist?
Also ich würde nicht so schnell aufgeben, notfalls machst Du eben einen Virtual draus, z.B. einen Earthcache.

Tja - wie das so ist,- eine (Ausruh-)Bank ist im öffentlichen Interesse und ein Hinweisschild ebenfalls.
Somit sind die Voraussetzungen für deren Genemigung erfüllt,- ein Cach wohl erstmal nicht.
Wie das dann aussehen könnte, wenn man 10000 Unterschriften bringen würde - "wir wollen dort den Cach verstecken" - weiß ich natürlich nicht.
Das ist manchmal schwierig mit den Juristen.  >:(


Nachtrag:

nochwas zum Mainzer NSG....
Da gehts um den Ober-Olmer Wald und da sind zur Zeit wohl dilomatische Verhandlungen im Gange  ;)

Aber 1 Oconly gibts da noch ! - wenngleich auch nur ein Visueller.
« Letzte Änderung: 08. Juni 2013, 13:46:55 von NINNICKs »
Wir, - die NINNICKs, sind völlig neu beim Caching (Mai '13).

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Re: Cache im NSG - offiziell beantragt und abgelehnt
« Antwort #10 am: 09. Juni 2013, 00:14:40 »
nochwas zum Mainzer NSG....
Da gehts um den Ober-Olmer Wald und da sind zur Zeit wohl dilomatische Verhandlungen im Gange  ;)

Aber 1 Oconly gibts da noch ! - wenngleich auch nur ein Visueller.

Das Foto ist vom Mainzer Sand; ein Geocachingverbot gibt es in Mainz z.B. für den Lennebergwald. Der Ober-Olmer Wald gehört nicht zu Mainz, und meinen Virtual dort gibt es noch, ja.

Offline NINNICKs

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Re: Cache im NSG - offiziell beantragt und abgelehnt
« Antwort #11 am: 10. Juni 2013, 10:13:07 »
nochwas zum Mainzer NSG....
Da gehts um den Ober-Olmer Wald und da sind zur Zeit wohl dilomatische Verhandlungen im Gange  ;)

Aber 1 Oconly gibts da noch ! - wenngleich auch nur ein Visueller.

Das Foto ist vom Mainzer Sand; ein Geocachingverbot gibt es in Mainz z.B. für den Lennebergwald. Der Ober-Olmer Wald gehört nicht zu Mainz, und meinen Virtual dort gibt es noch, ja.


@following, - ja natürlich ist das Foto vom Mombacher Sand, den kenn ich richtig gut, - noch aus der Zeit wo dort mit Panzern rumgerast wurde und man dort Krieg spielte.

Hatte mich wohl etwas verformuliert weil ich etwas schneller gedacht hatte als geschrieben -  sorry . Dass der Ober-Olmer Wald nicht zu Mainz gehört wußte ich jetzt ehrlich gesagt nicht, -dass er in den Alzeyer Verwaltungsbereich gehört, und dass da seit einigen Wochen/Monaten versucht wird durch Gespräche mit den "Verwaltern" wieder Caches platzieren zu dürfen, konnte ich auf der anderen Plattform lesen.
Wie weit das fortgeschritten ist, entzieht sich allerdings meiner Kenntnis.
Wir, - die NINNICKs, sind völlig neu beim Caching (Mai '13).

Offline Marschkompasszahl

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Re: Cache im NSG - offiziell beantragt und abgelehnt
« Antwort #12 am: 14. Juni 2013, 00:37:07 »
Der Lennebergwald gehört auch zum Forstamt Alzey. Das Problem sind in beiden Fällen die Förster, die Geocaching in ihren Wäldern nicht haben wollen. Gespräche waren wohl angedacht, aber bis heute nicht geführt.

Ich hatte ja Anfang des Jahres knapp zwei Dutzend Virtuals im Lennebergwald rausgehauen, was bei der Mainzer Fraktion (obwohl sie die Nebenplattformen eher verachten) für einen riesen Aufstand gesorgt hatte. Ich würde damit sämtliche Bemühungen des Dialogs zerstören, usw. Nur bis heute ist da nichts weiter passiert. Die Teilnahme am MEGA in Koblenz und eine 24h-16Bundesländer-T5-Challenge sind erst mal wichtiger.
Ich glaub, ich werde mal beim GC-Stammtisch am Samstag die Ohren spitzen, was da wirklich in der Pipeline steckt und dann eventuell die Virtuals zwischen Forsthaus und Froschteich aus dem Archiv wieder heraus holen. Naturverträglicher geht es kaum. Denn das sind alles "QTAs": Infotafeln zu verschiedenen Tier- und Pflanzenarten. Vom Förster persönlich aufgestellt. Also: was spricht dagegen?

Und wenn es wirklich eines Tages Verhandlungen mit den Förstern geben sollte, sind sie ein gutes Beispiel dafür, wie man die bestehende Infrastruktur nutzen kann, Wissen vermittelt, usw.


@following: Deinen Virtual im OO-Wald muss ich auch endlich mal angehen!

@NINNICKs: Letztes Jahr wurde bekannt, dass die Amis (nachdem sie den Hauptsitz von Heidelberg nach Wiesbaden verlegt haben) von ihrem Recht Gebrauch machen wollen und im NSG Großer Sand/ Lennebergwald wieder Krieg spielen.
Das kann dann bspw. so aussehen: http://www.allgemeine-zeitung.de/nachrichten/polizei/13116088.htm

 





- ich reviewe mich selbst!

Offline Jörg

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Re: Cache im NSG - offiziell beantragt und abgelehnt
« Antwort #13 am: 14. Juni 2013, 09:16:18 »
Es hat sich ergeben, dass ich am kommenden Mittwoch hier in Kassel mit am Runden Tisch "Wald und Sport" unter Leitung der hess. Umweltministerin Puttrich sitze, wo auch der Hessenforst, diverse Verbände (von Waldbesitzer, DIMB, Wanderverband etc.) anwesend sein werden.

Da geht es um Sport- und Freizeitausübung im Wald und deren Auswirkungen.

Ich werde versuchen, da ein paar dicke Bretter zu bohren und gerade für Ablesestationen (insbesondere in NSG) Verständnis zu wecken.

LG
Jörg
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Re: Cache im NSG - offiziell beantragt und abgelehnt
« Antwort #14 am: 14. Juni 2013, 12:11:14 »
Ich werde versuchen, da ein paar dicke Bretter zu bohren und gerade für Ablesestationen (insbesondere in NSG) Verständnis zu wecken.

Hat schonmal ein Waldverantwortlicher einen Geocache wegen einer Ablesestation gemeldet?  :o Das wäre absurd, weil der Zweck dieser Orte ja darin besteht, etwas abzulesen, z.B. von Info- und Hinweistafeln. Es müsste dann konsequenterweise das Aufstellen von Schildern im Wald verboten werden, um jegliches Ablesen zu unterbinden.

Ein Rückzug auf die Position "erlaubt uns bitte wenigstens virtuelle Caches im Wald" fände ich kontraproduktiv, denn die sind überall erlaubt, wo der Wald betreten werden darf. Dosen am unkritischen Stellen sind der Punkt, um den es geht. In dem Zusammenhang könnte man darauf hinweisen, dass es riesige Unterschiede in den Umweltauswirkungen verschiedener Geocaching-Plattformen gibt. Ein OC-Cache ist zigmal umweltverträglicher als ein GC-Cache und daher in sensibler Umgebung wesentlich geeigneter.
« Letzte Änderung: 14. Juni 2013, 12:23:50 von following »