Autor Thema: Panoramafreiheit  (Gelesen 2269 mal)

Offline cacher.ella73

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Panoramafreiheit
« am: 26. Juni 2015, 16:52:17 »
Hallo,
habt ihr auch schon davon gehört, dass am 9. Juli 2015 die Panoramafreiheit neu bestimmt wird.
Könnte sein, dass dann Fotos von Gebäuden (z.B. Eiffelturm, London Eye, Hundertwasserhaus) und Kunstobjekte nicht mehr fotografiert und im Internet hochgeladen werden dürfen.
Dies hätte dann auch Auswirkungen auf unsere Virtuells und Safaris, oder?
Was haltet ihr davon?
Und ja, es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird, aber ein bischen Angst hab ich schon...

LG C.

Offline 4_Vs

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Re: Panoramafreiheit
« Antwort #1 am: 26. Juni 2015, 17:10:10 »
Das stimmt so nicht ganz. Hier wird speziell auf Facebook eingegangen, weil man ja beim Upload sämtliche Nutzungsrechte am Bild an Facebook überträgt und die das dann kommerziell nutzen könnten.

Lädst Du ein Bild auf Deine HP, überträgst Du keine Nutzungsrechte ... ich mach mir da nicht allzu große Sorgen
Whenever I try to plan something, it doesn't seems to work out. So why plan, it only leads to disappointment! (Eddie van Halen)

Offline cacher.ella73

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Re: Panoramafreiheit
« Antwort #2 am: 26. Juni 2015, 18:13:45 »
Danke für deine Antwort, jetzt bin ich etwas beruhigt.  :)

LG C.

Offline ClanFamily (Mirco)

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Re: Panoramafreiheit
« Antwort #3 am: 26. Juni 2015, 21:45:14 »
Nehmen wir mal an, Du machst im Urlaub ein total tolles Foto vor einem markanten Objekt (z.B. Eifelturm).
Das Bild lädst Du natürlich direkt bei Facebook hoch; willst ja zeigen wie gut es Dir gerade geht.
Die Image-Erkennung läuft und weiß dass dies der Eifelturm ist. Da Du den Nutzungsbedinngungen bei FB zugestimmt hast, darf Facebook nun dieses Foto, das sicherlich viele Likes bekommt und damit als "gut" bewertet wird... auch einer Agentur vorlegen. Die machen gerade einen Reisekatalog und finden, dass so ein authentisches Bild (denn Du fotografierst Dich, vielleicht mit Freundin, Familie etc. anders als ein Fotograf ein Modell), ein vollkommen anderen Blickwinkel bietet und die Agentur möchte dieses Foto nun haben. Man einigt sich mit FB auf eine Lizenzgebühr und alles ist super...
Naja... 3 Jahre später siehst Du DEIN privates Foto, eben im Katalog von TUI, wie die eine Familienreise nach Frankreich, die Stadt der Liebe anbieten.... im schlimmsten Fall mit einem Bild der/des EX.
Deswegen kommt gerade von Seiten der Regierung dieses Thema auf.
Es geht nicht darum, dass man keine Fotos mehr die man selber macht einstellen darf - man kann aber eben keine RECHTE darauf gewähren und DAS ist im Moment Bestandteil bei FB... eben widersprüchlich.
Mit feudalen Grüßen,
Mirco aka Clanfamily
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Offline Schnatterfleck

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Re: Panoramafreiheit
« Antwort #4 am: 27. Juni 2015, 05:50:39 »
[..] Hier wird speziell auf Facebook eingegangen [..]

Nö.
Die entsprechende Stelle im Parlamentsreport ist erst mal seeeehr allgemein gefasst.

"[Das Parlament] vertritt die Auffassung, dass die gewerbliche Nutzung von Fotografien, Videomaterial oder anderen Abbildungen von Werken, die dauerhaft an physischen öffentlichen Orten platziert sind, immer an die vorherige Einwilligung der Urheber oder sonstigen Bevollmächtigten geknüpft sein sollte."

Das wirft erst mal die Frage auf, wer ein Urheber ist. Bei Sachen wie dem Eiffelturm ist das klar. (Und unkritisch, da Herr Eiffel schon mehr als 70 Jahre tot ist).
Aber was ein Werk ist, ist gerade in der Architektur nicht immer ganz klar und bezieht sich auf den weichen Begriff "Schöpfungshöhe". Und die kann auch das Toilettenhäuschen einer Autobahnraststätte haben (ist ein echter Fall, gerichtlich bestätigt).

Ob gerade ein öffentliches "Werk" vorliegt, kann also niemand mit Sicherheit sagen.
Und wenn doch, dann müsste man erst einmal für jedes Werk den Urheber ausfindig machen - auch bis zu 70 Jahre nach seinem Tod.
Ich arbeite viel mit historischen Bildern, auch in meinen Caches, und weiß daher, dass das in 99% der Fälle ein Ding der Unmöglichkeit oder überdurchschnittlichen Aufwands ist. Und mit einem an den Parlamentsreport angelehnten Gesetzes wären jetzt sogar meine stattdessen selbst von mir angefertigten Bilder gefährdet.

Denn da kommen wir zu Punkt 2: Wann ist eine Nutzung gewerblich?
Dass das entsprechende Gesetz das Aus für sämtliche urbanen Creative Commons Aufnahme ohne NC-Zusatz ist, sollte klar seín (daher die berechtigte Aufregung bei der Wikipedia).
Aber ist z.B. schon das Schalten von Bannerwerbung auf einer Seite Hinweis auf eine gewerbliche Nutzung? Und sogar wenn nein, welche Chance habe ich mal wieder als kleine Privatperson, mich dann gegen einen Abmahnhai zu wehren? Richtig: Reel fast gar keine.

Und da liegt der Hase im Pfeffer:
Die Aufhebung der Panoramafreiheit in der diskutierten Form wäre ein erster Schritt zu einer Umwidmung der bloßen Ansicht öffentlichen Raumes hin zu einer kommerziell nutzbaren Ressource. Und das ganze zum Nachteil aller kleinen schöpferisch Tätigen, die sich keine große Rechtsabteilung und All-Inclusive-Verträge mit Bildagenturen leisten können.

Also auch wenn ein entsprechendes Gesetzt keine direkten Auswirkungen auf OC hätte, indirekte hätte es die schon. Allein dadurch, dass dadurch z.B. weniger frei verwendbare Bilder zur Verfügung stehen würden.
Und insgesamt geht es halt in die falsche Richtung: Hin zu Kommerz, weg von freien Inhalten - Und eine solche Entwicklung ist langfristig auch für Projekte wie OC eine Gefahr.


Offline Schnatterfleck

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Re: Panoramafreiheit
« Antwort #5 am: 27. Juni 2015, 06:15:10 »

Offline ClanFamily (Mirco)

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Re: Panoramafreiheit
« Antwort #6 am: 27. Juni 2015, 12:56:04 »
Ich kann das Voting für Sommerzeit und GEZ Gebühr nicht finden...
Man... ist das ein Sommerloch Thema.
---[Nichts gegen jemanden jetzt persönlich]---
Mit feudalen Grüßen,
Mirco aka Clanfamily
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Offline Schnatterfleck

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Re: Panoramafreiheit
« Antwort #7 am: 28. Juni 2015, 06:06:39 »
[..] Sommerzeit [..]

Ein sehr schönes Beispiel dafür, wie schwer man Gesetze und Verordnungen wieder los wird, sobald sie mal da sind, auch wenn der eigentliche Grund zur Einführung schon längst als Blödsinn entlarvt wurde.
Mein Lieblingsbeispiel ist da immer noch die Schaumweinsteuer. Damit das deutsche Kaiserreich endlich mal 'ne ordenliche Flotte beko... ääääh... wie auch immer.

Ich verstehe natürlich, dass die Tatsache, dass man solchen bestehenden Quatsch nicht wieder los wird, mit zur aktuell grassierenden resignierten Politikverdrossenheit geführt hat.

Allerdings ist es viel einfacher, den Quatsch überhaupt nicht erst zu einem Gesetz (oder schlimmer: einer Europäischen Verordnung ::) ) werden zu lassen, als ihn später wieder los zu werden. Und da liegt der Unterschied zwischen Sommerzeit und Panoramaunfreiheit. Letzterer Quatsch ist in einem frühen Stadium, hier kann man tatsächlich mit überschaubarem Aufwand etwas bewirken.

Und hier hin gehört das Thema auch, da es Auswirkungen darauf haben würde, wie und wo ich meine Caches in Zukunft gestalten und veröffentlichen kann (bei Groundspeak viele z.B. dann schon mal nicht  ;) ).

Vielleicht bin ich da auch besonders empfindlich, weil ich mich eben gerade für meine Caches jetzt schon mit größtenteils sinnfreien, durch Lobby-Arbeit entstandenen Gesetzen rumärgern muss.
So kusche ich regelmäßig und lasse wegen des "Micky-Maus-Schutzgesetzes" dauernd interessante historische Quellen lieber aus meinen Cachebeschreibungen weg, als Ärger wegen Urheberrechtsthematiken zu bekommen. (Wobei ich mich da inzwischen unter Inkaufnahme eines Restrisikos an der eher pragmatischen Wikipedia-100-Jahre-Regel orientiere.)

Offline Le Dompteur

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Re: Panoramafreiheit
« Antwort #8 am: 23. August 2015, 08:58:56 »
Die Petition war erfolgreich!
Laut https://www.change.org/p/european-parliament-save-the-freedom-of-photography-savefop-europarl-en/u/11358071 trug sie maßgeblich dazu bei, das Gesetz nicht zu ratifizieren.
Manchmal ist es wichtig, seine Stimme zu erheben.
"Cacheo ergo sum" - ich cache, also bin ich!

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Re: Panoramafreiheit
« Antwort #9 am: 23. August 2015, 12:15:05 »
 :supi:

Offline dl6hbo

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Re: Panoramafreiheit
« Antwort #10 am: 23. August 2015, 17:54:58 »
Freut mich ebenfalls !
Gruß, Rainer ( dl6hbo )
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Albert Einstein