Autor Thema: Caches an Weltkriegs-Relikten  (Gelesen 1005 mal)

Offline Der Windling

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Caches an Weltkriegs-Relikten
« am: 16. April 2017, 20:19:26 »
Ich möchte hier mal ein etwas schwierigeres Thema zur Diskussion stellen:
Was haltet Ihr von Caches an Weltkriegs-Relikten wie ehem. Konzentrationslagern, Nazi-Bunkern, SS-Gefängnissen, usw.? Also an Orten, an denen viele Menschen qualvoll gestorben sind.

Muss/Kann/Soll das sein? Ist das pietätlos oder ein adäquates Mittel zur Erinnerung? Seht Ihr hier einen geschichtlich informativen Wert oder Effekthascherei mit LPs? Sollte man ein Hobby wie das Dosensuchen damit verknüpfen? Und wenn ja: In welcher Form?
Was meint Ihr?

Anlass sind diese beiden vor ein paar Tagen veröffentlichten Dosen:
LP-RINGBUNKER Flossenbürg - OC13929
LP-RINGBUNKER Flossenbürg 2 - OC1392A
Im KZ Flossenbürg sind min. 30.000 Menschen ermordet worden. In den Listings werden die Opfer nicht mal erwähnt.

Mit nachdenklichen Grüßen,
Der Windling

Offline mic@

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Re: Caches an Weltkriegs-Relikten
« Antwort #1 am: 17. April 2017, 09:06:29 »
Lost Places gehören zu meinen Lieblingscaches, und dazu gehören auch "Weltkriegs-Relikte"
wie Bunker oder verlassene Armee-Standorte. Das der Owner zum bitteren Hintergrund bei
seinen LPCs nichts erwähnt hat ist bedauerlich, aber wir auf OC-Seite können ihm da auch
keinen Text hinzufügen. Denn das Listing ist stets in Verantwortung des Owners.

Ich würde einfach bei meinem Besuch des LPCs diesen Hintergrund im Log erwähnen,
so ist es auch für andere Interessierte sichtbar und bleibt in Erinnerung.
Nachdenkliche Grüße zurück, Mic@

 

Offline Der Windling

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Re: Caches an Weltkriegs-Relikten
« Antwort #2 am: 17. April 2017, 11:39:02 »
Versteh mich nicht falsch, ich habe nichts gegen LPs oder Caches an Bunkern. Für mich persönlich gibt es allerdings einen Unterschied zwischen einem Bunker an einer alten Kaserne und einem Wach-Bunker an einem KZ.
Dazu wollte ich einfach mal eine Diskussion anstoßen und erfahren wie andere das sehen.

Das der Owner zum bitteren Hintergrund bei seinen LPCs nichts erwähnt hat ist bedauerlich, aber wir auf OC-Seite können ihm da auch keinen Text hinzufügen. Denn das Listing ist stets in Verantwortung des Owners.
Mir ist klar, dass OC keinen Einfluss auf den Text im Listing hat. Es war auch nicht meine Intention da irgendwas einzufügen oder die o.g. Dosen anzuprangern. Wie gesagt, es geht mir hier nur um einen Meinungsaustausch.

Offline vepeg

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Re: Caches an Weltkriegs-Relikten
« Antwort #3 am: 17. April 2017, 13:56:25 »
Auch ich finde Caches an solchen Orten schwierig. Vor ein paar Tagen war ich im Frankreich an der Somme und bei Le Havre unterwegs und ich muss sagen, die Anzahl (über 400) und der gepflegte Zustand der Kriegsfriedhöfe und Gedenkplätze waren beeindruckend. Ich habe mich im Vorfeld nicht sonderlich über Caches informiert und keinen gesucht. Gerade bei solchen informativen und sinnlichen "Memorials" braucht es meiner Meinung nach keinen Cache, um über die Geschehnisse des Ortes aufzuklären. Es kommt dabei natürlich immer auf den Cache an. Ein reiner Statistikcache halte ich dort für nicht angebracht, aber an Orten, denen man die Geschichte nicht ansieht und worüber der Cache den Cacher aufklärt, dort kann ich mir einen Cache vorstellen. Er sollte aber lieber etwas abseits liegen oder gleich ein Virtual sein.

Caches sind schließlich auch dazu da, den Suchenden über die Orte zu informieren und zu jenen hinzuführen.

Schöne Ostern noch!

Offline Bananeweizen

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Re: Caches an Weltkriegs-Relikten
« Antwort #4 am: 21. April 2017, 21:08:08 »
Cache ignorieren und gut.

Offline Schatzforscher

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Re: Caches an Weltkriegs-Relikten
« Antwort #5 am: 25. April 2017, 22:06:16 »
Hallo zusammen,

wenn die Caches mit dem nötigen Respekt für den Ort gelegt werden, dann habe ich auch "Freude" an solchen Caches. Denn sie erzählen mir unter Umständen die Geschichte dieses Ortes. Der Cache kann auch Anlass sein, einen solchen Ort erst zu besuchen. Ich bin offen und sehr geschichtsinteressiert. Da geht es mir nicht immer um die Dose an und für sich. Die kann dann auch mehr als einfach sein. Es geht um die Eindrücke und der historische Hintergrund.

Grüße
Schatzforscher

Offline Röbü-Cacher

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Re: Caches an Weltkriegs-Relikten
« Antwort #6 am: 22. September 2017, 12:09:32 »
Ich finde Geocaches gehören unbedingt an Weltkriegs-Relikte, da ich es tatsächlich für ein adäquates Mittel zur Erinnerung/Aufklärung halte. Darüberhinaus haben LP-Locations natürlich immer ihren Reiz. Allerdings hat der Owner dabei eine zusätzliche Verantwortung, da er eben die Pietät waren und aufklären sollte. Da ist ein entsprechendes Listing schon sehr wichtig, gerne auch mit Bildern.

VG
Röbü

Offline Le Dompteur

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Re: Caches an Weltkriegs-Relikten
« Antwort #7 am: 23. September 2017, 22:10:13 »
Auch ich finde Caches an solchen Orten schwierig [...]
Ja; aber wo willst Du anfangen, wo aufhören? Der Eine versteckt einen Cache am Holocaust-Mahnmal in Berlin und der Andere sucht ihn, ohne Scham. Wer ist da der "Böse"?
Darf man sich des Hermanns-Denkmals erfreuen, obwohl dort 10.000 Legionäre samt Weib und Troß abgeschlachtet wurden? Was wäre mit einem Cache bei den Thermopylen? Heldentat oder politisch unkorrekt angesichts der derzeitigen Flüchtlingsdiskussion?
Jeder Owner ist alleine verantwortlich für seinen Cache, das Listing und welche Botschaft er damit transportieren will. Und wenn er/sie meine politische / religiöse / was-auch-immer Betroffenheit nicht erfüllt? So what! It's   o p e n caching!
Weil: Ich habe hier den Ignore-Knopf; ganz kostenlos und ohne Rechtfertigungsdruck vor irgendwem. Das sollte gerne so bleiben, sowohl die Freiheit der Ignoranten, als auch meine Ignoranz allen Freiheiten gegenüber!
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Offline stoerti

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Re: Caches an Weltkriegs-Relikten
« Antwort #8 am: 03. November 2017, 17:41:14 »
Eigentlich braucht man Le Dompteurs Beitrag nichts mehr hinzufügen aber ich kann nicht anders.

In Polen gibts den Ostwall (wo auch sonst?). Ich habe keine Ahnung, ob da Caches liegen aber das Dingbist instand gesetzt worden und man kann ihn besichtigen. Mit Spezialführung kann man sogar 3 Tage da unten bleiben und alles besichtigen. Zwischen den Eingängen fährt ein Rad-Kettenfahrzeug aus dem Krieg die Leute hin und her und die polnischen Fahrer tragen deutsche WK Soldaten-Uniformen.

Ich will nur sagen, so gehen andere Länder damit um. Aufklären, zeigen, drüber reden, so funktioniert das und nicht mit Erbschuldsgeschwätz.
Die Leute sind tot, das waren sie schon 30 Jahre vor meiner Geburt, ja, das war damals furchtbar aber verurteilen wir die Türken, die ihre Gefangenen lebendig aufgespiesst und sich tagelang deren Todeskampf angesehen haben? Verurteilen wir die Schweden, die im 30jg Krieg alles vernichtet haben, was zu vernichten ging?
Es war eine andere Zeit, die Deutschen waren vor 33 am Hungern, weil die Siegermächte ihnen nichts gelassen haben und ich wette drauf, die Hälfte derer, die sich heute beschweren, hätten damals den Arm hoch gerissen.
Es war eine andere Zeit.
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Offline Le Dompteur

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Re: Caches an Weltkriegs-Relikten
« Antwort #9 am: 03. November 2017, 20:14:49 »
Eigentlich braucht man Le Dompteurs Beitrag nichts mehr hinzufügen (...)
Ach; stoerti "si tacuisses, philosophus mansisses"  ;)

Wen interessiert, wer, wann, auf irgendwen geschossen hat?
Niemanden!
Jeden!
Mit meinen elegischen Zeilen wollte ich ausdrücken, daß es individuell sehr "befindlich" sein kann an solchen Orten. Und deshalb kann keine Betroffenheits- / Schuld-kultur im Vorwege abverlant werden.
"Taktgefühl" und "Geocachen" gehen nicht immer einher - zur Plage aller Schlachtfelder dieser Welt.
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Offline Der Windling

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Re: Caches an Weltkriegs-Relikten
« Antwort #10 am: 05. November 2017, 14:00:42 »
OK, das wird jetzt ein bißchen Off-Topic, aber dazu möchte ich dann doch noch mal etwas sagen...

...aber verurteilen wir die Türken, die ihre Gefangenen lebendig aufgespiesst und sich tagelang deren Todeskampf angesehen haben? Verurteilen wir die Schweden, die im 30jg Krieg alles vernichtet haben, was zu vernichten ging?...
Ähm.... Ja! Oder kennst Du jemanden, der das toll findet?
Jeder Krieg ist schrecklich. Egal wer ihn angefangen oder wer mitgemacht hat. Dabei spielt es erstmal keine Rolle, ob das die Römer, die Amerikaner, die Deutschen, ein syrischer Diktator, die Spartaner oder irgendwelche bekloppten religiösen Fundamentalisten waren. In Kriegen leiden und streben Menschen. Das war in der Antike so und das ist bis heute so. Eine gewissen Pietät im Umgang mit historischen Schlachtfeldern könnte man also grundsätzlich schon erwarten, ob das nun der Acker ist unter dem die Knochen von tausenden römischen Legionären liegen oder ein Gefangenenlager aus einem der Weltkriege spielt dabei eigentlich kaum eine Rolle.
Das heißt nicht, dass ich meine, dass man an solchen Orten keine Caches legen darf, aber ein kleines bißchen Nachdenken und ggf. ein paar Zusatzinformationen zur Location wären meiner Meinung nach halt schon wünschenswert.

...Aufklären, zeigen, drüber reden, so funktioniert das und nicht mit Erbschuldsgeschwätz.
Die Leute sind tot, das waren sie schon 30 Jahre vor meiner Geburt, ja, das war damals furchtbar (...) Es war eine andere Zeit, die Deutschen waren vor 33 am Hungern, weil die Siegermächte ihnen nichts gelassen haben und ich wette drauf, die Hälfte derer, die sich heute beschweren, hätten damals den Arm hoch gerissen.
Es war eine andere Zeit.
Diese Aussage finde ich jetzt schon etwas heftig. Hier geht es nicht einfach "nur" um Soldaten, die auf einem Schlachtfeld gestorben sind. Bei Relikten aus dem 2. Weltkrieg, besonders bei Gefangenenlagern und Konzentrationslagern, geht es darum, dass die Deutschen damals - mit der Unterstützung oder zumindest Duldung großer Teile der Bevölkerung - die massenhafte Vernichtung von Millionen Menschen betrieben haben. Behinderte, politisch Andersdenkende, Juden - in den wenigsten Fällen handelte es sich um die Angehörigen irgendwelcher Siegermächte aus dem 1. Weltkrieg (den die Deutschen übrigens auch mit angezettelt haben - auch damals mit begeisterter Unterstützung des Großteils der deutschen Bevölkerung).
Abgesehen davon ging es den Deutschen 1933 für einen Kriegsverlierer gar nicht so schlecht, die Weltwirtschaftskrise hat ja nicht nur Deutschland getroffen und wirklich gehungert haben zu dieser Zeit die wenigsten Deutschen (das war eher 1935 nach der Mißernte vom Vorjahr, also nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten). Und aus Hunger fängt man auch nicht einfach einen Angriffskrieg an und marschiert in anderer Leute Länder ein.

Die Erinnerung an diese schreckliche Zeit und die Gräueltaten der Deutschen zu bewahren, ist kein "Erbschuldsgeschwätz", sondern der Versuch, aus der Geschichte zu lernen und dafür zu sorgen, dass soetwas bei uns nicht nochmal passiert. Und wenn ich mir die aktuelle politische Situation hier so anschaue, wo eine kleine Minderheit sich als "das Volk" ausgibt und nach "deutscher Leitkultur" schreit ist das auch bitter nötig...


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Opencaching heißt für mich nicht, dass man alles einfach so hinnehmen muss. Stichwort: "Freiheit hat dort ihre Grenzen, wo sie die Freiheit eines anderen beeinträchtigt."
« Letzte Änderung: 05. November 2017, 16:24:03 von Der Windling »

Offline stoerti

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Re: Caches an Weltkriegs-Relikten
« Antwort #11 am: 05. November 2017, 18:07:17 »
Zitat
Und wenn ich mir die aktuelle politische Situation hier so anschaue, wo eine kleine Minderheit sich als "das Volk" ausgibt und nach "deutscher Leitkultur" schreit ist das auch bitter nötig...
Du meinst die 12,6% Minderheit?
Nachdem die 87,4% Mehrheit alles dafür getan hat, jeden zu verfolgen, der Laut spricht, was nach Diktatorenart hier passiert ist, halte ich es für sehr wichtig, dass aus 12,6 sehr bald 30 oder 40 werden.
Und damit meine ich nicht was sondern das wie.
Und das bezieht sich auf die ganze Flüchtlingsindustrie. Ich bin Geschäftsführer einer Obdachlosenhilfegesellschaft.
Soll ich Dir ein Schreiben vom BAMF zeigen, wo man mir erklärt, ein Hilfsprogramm für 200 Millionen Euro um den 500.000 Obdachlosen in Deutschland zu helfen ist nicht umsetzbar, weil man grad 20 Milliarden für Flüchtlinge ausgeben muss?


Um wie on topic zu kommen:
Ich wäre nie im KZ gewesen und bin nur dahin, weil meine Frau nach Sachsenhausen wollte.
So ein Cache (weiss nicht ob da einer liegt) würde mich auch dorthin locken und dann würde ich es mir auch ansehen.
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Offline Le Dompteur

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Re: Caches an Weltkriegs-Relikten
« Antwort #12 am: 05. November 2017, 18:19:22 »
Ich halte mich aus der Diskussion um Schuld und Sühne raus, sehe bei Caches an deutschen WKII-Denkmälern oder Hinterlassenschaften eher eine juristische Gefahr:
Wenn ein Schlumpf an einem SS-Bunker im Log "toll", "geil", "Heldenhaft" schreibt und evtl. Fotos von den Wandgemälden hochlädt - ganz unbedacht , kann das einer anderen Schlumpfine aufstoßen bzgl. §§ 86 und 130 StGB. Die Staatsanwaltschaft ermittelt dann anlaßbezogen gegen den Schreiber, den Listing-Owner und den Verein OC.
Diesen Ärger sollte man vermeiden. Und da ich als Owner die Primärverantwortung für das Listing und die Logs habe, vermeide ich Dosen an solchen Orten und entsprechende "Schlümpfe".
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Offline Der Windling

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Re: Caches an Weltkriegs-Relikten
« Antwort #13 am: 05. November 2017, 21:14:48 »
@Le Dompteur:
Interessanter Aspekt. Darüber denkt man sonst kaum nach.

@stoerti:
Du hast jetzt Deine Meinung kundgetan und ich meine. Zu einem Konsens werden wir wohl eher nicht kommen. Müssen wir aber auch nicht. Wir haben ja zum Glück Meinungsfreiheit.
Eine weitere politische Diskussion werde ich mit Dir an dieser Stelle allerdings nicht führen. Das wird dann doch etwas zu Off-Topic für ein Geocaching-Forum...

Offline stoerti

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Re: Caches an Weltkriegs-Relikten
« Antwort #14 am: 05. November 2017, 22:50:38 »
Na siehste, sind wir uns einig  8)
"Egal wie Idiotensicher Du das Listing gestaltest, es findet sich immer einer, der dieses Niveau mit Lambadagesängen unterschreitet"